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Attila Hörbiger: Leben, Familie und Bühnenkarriere

David Lange
Last updated: September 2, 2026 12:20 pm
By David Lange 13 Min Read
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attila hörbiger

Attila Hörbiger gehörte über Jahrzehnte zu den bekannten Persönlichkeiten des österreichischen Theaters. Der am 21. April 1896 in Budapest geborene Schauspieler prägte vor allem das Wiener Theaterleben, spielte am Theater in der Josefstadt und am Burgtheater und übernahm mehrfach die Titelrolle im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen.

Contents
Wer war Attila Hörbiger?Von Budapest nach Wien: Attila Hörbigers frühe JahreTheater in der Josefstadt, Jedermann und BurgtheaterAttila Hörbiger im Film und FernsehenPaula Wessely, die Töchter und die Hörbiger-FamilieAttila Hörbiger in der NS-Zeit: Was ist historisch belegt?Späte Bühnenjahre, Tod und BedeutungHäufige Fragen zu Attila Hörbiger

Auch seine Familie wurde zu einer der bekanntesten Schauspielerfamilien Österreichs. Hörbiger war der Bruder von Paul Hörbiger, mit Paula Wessely verheiratet und Vater der Schauspielerinnen Elisabeth Orth, Christiane Hörbiger und Maresa Hörbiger. Zu einer vollständigen Betrachtung seiner Biografie gehört jedoch auch seine Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus.

Wer war Attila Hörbiger?

Attila Hörbiger war ein österreichischer Theater-, Film- und später auch Fernsehschauspieler. Seine Karriere erstreckte sich von den ersten Bühnenengagements nach dem Ersten Weltkrieg bis in die 1980er-Jahre. Besonders eng verbunden ist sein Name mit dem Theater in der Josefstadt, dem Wiener Burgtheater und den Salzburger Festspielen.

MerkmalInformation
Vollständiger NameAttila Hörbiger
Geboren21. April 1896
GeburtsortBudapest, damals Österreich-Ungarn
Gestorben27. April 1987
SterbeortWien
BerufSchauspieler
BruderPaul Hörbiger
EhefrauPaula Wessely
TöchterElisabeth Orth, Christiane Hörbiger, Maresa Hörbiger
Bedeutende TheaterTheater in der Josefstadt, Burgtheater
Bekannte FestspielrolleJedermann bei den Salzburger Festspielen

Hörbiger starb sechs Tage nach seinem 91. Geburtstag. Seine Laufbahn umfasste damit einen außergewöhnlich langen Zeitraum, in dem sich das deutschsprachige Theater und der Film grundlegend veränderten.

Von Budapest nach Wien: Attila Hörbigers frühe Jahre

Attila Hörbiger wurde 1896 in Budapest als Sohn des Ingenieurs Hanns Hörbiger geboren. Sein Vater wurde vor allem durch die heute wissenschaftlich widerlegte sogenannte Welteislehre bekannt. Attilas älterer Bruder Paul Hörbiger schlug ebenfalls eine Schauspielkarriere ein und entwickelte sich später selbst zu einem der populärsten Schauspieler Österreichs.

Die Familie zog Anfang des 20. Jahrhunderts nach Wien. Attila Hörbiger besuchte später unter anderem das Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal. Während des Ersten Weltkriegs leistete er Militärdienst.

Eine klassische Schauspielausbildung stand zunächst nicht im Mittelpunkt seiner Pläne. Nach dem Krieg wandte er sich jedoch der Bühne zu, wobei die bereits begonnene Schauspielkarriere seines Bruders Paul eine wichtige Orientierung bot.

1919 begann Attila Hörbigers professionelle Theaterlaufbahn. Seine ersten Engagements führten ihn an verschiedene Bühnen im deutschsprachigen und mitteleuropäischen Raum, unter anderem nach Wiener Neustadt, Bozen, Reichenberg, Brünn und Prag. Diese Jahre waren für Schauspieler seiner Generation typische Wanderjahre, in denen sie ein breites Repertoire und praktische Bühnenerfahrung aufbauten.

Theater in der Josefstadt, Jedermann und Burgtheater

Der entscheidende Schritt in Hörbigers Theaterkarriere erfolgte 1928. Max Reinhardt holte ihn an das Theater in der Josefstadt in Wien. Dort entwickelte er sich vom aufstrebenden Darsteller zu einem der etablierten österreichischen Schauspieler seiner Zeit.

Sein Repertoire beschränkte sich nicht auf einen bestimmten Rollentyp. Hörbiger spielte klassische Dramen ebenso wie Werke des Wiener Volkstheaters und moderne Gesellschaftsstücke. Besonders Autoren wie Ferdinand Raimund und Johann Nestroy lagen im Zentrum eines Teils seiner späteren Bühnenarbeit.

Eine seiner bekanntesten Aufgaben außerhalb Wiens wurde die Titelrolle in Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen. Hörbiger spielte den Jedermann zunächst von 1935 bis 1937 und nach dem Zweiten Weltkrieg erneut von 1947 bis 1951. Insgesamt absolvierte er in der Titelrolle 50 Aufführungen.

Damit wurde Hörbiger Teil einer bis heute fortgesetzten Salzburger Theatertradition. Bemerkenswert ist auch die familiäre Verbindung: Sein Enkel Cornelius Obonya, Sohn von Elisabeth Orth, übernahm von 2013 bis 2016 ebenfalls die Rolle des Jedermann.

1950 begann ein weiterer wichtiger Abschnitt. Hörbiger wurde Mitglied des Wiener Burgtheaters und gehörte dem Ensemble dort bis 1975 an. Seine Verbindung mit dem Haus reichte allerdings darüber hinaus. Das Burgtheater wurde zu einem zentralen Ort seines künstlerischen Lebens und verbindet seinen Namen bis heute mit jener Schauspielergeneration, die das Wiener Theater der Nachkriegsjahrzehnte prägte.

Attila Hörbiger im Film und Fernsehen

Obwohl seine größte Bedeutung im Theater lag, war Attila Hörbiger auch über viele Jahrzehnte im Film zu sehen. Seine Filmografie reicht von Produktionen der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre bis zu späteren Kino- und Fernsehauftritten.

Zu seinen Filmen gehören unter anderem „Der Tunnel“, „Varieté“, „Der Engel mit der Posaune“, „Der Verschwender“, „Der Meineidbauer“ und „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“. Er stand sowohl für österreichische als auch für deutsche Produktionen vor der Kamera.

Dabei verkörperte Hörbiger sehr unterschiedliche Figuren. Seine Filmrollen waren häufig stärker volkstümlich geprägt als viele seiner großen Theaterrollen. Mit zunehmendem Alter verlagerte sich sein künstlerischer Schwerpunkt wieder deutlich auf die Bühne.

Seine Filmografie dokumentiert zugleich einen problematischen Teil seiner Karriere. Dazu zählt insbesondere der 1941 erschienene Film „Heimkehr“, dessen politischer Hintergrund für eine sachliche Einordnung von Hörbigers Biografie unverzichtbar ist.

Mehr dazu lesen Ursula Haverbeck

Paula Wessely, die Töchter und die Hörbiger-Familie

Attila Hörbiger war ab 1935 mit Paula Wessely verheiratet. Wessely gehörte selbst zu den bedeutendsten österreichischen Bühnen- und Filmschauspielerinnen des 20. Jahrhunderts. Das Paar trat mehrfach gemeinsam auf und wurde zu einem der prominentesten Schauspielerehepaare Österreichs.

Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor, die ebenfalls Schauspielerinnen wurden.

Elisabeth Orth, geboren 1936, entschied sich bewusst dafür, nicht unter dem berühmten Familiennamen Hörbiger aufzutreten. Sie nahm den Familiennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits an und entwickelte eine eigenständige Karriere, vor allem am Burgtheater. Elisabeth Orth starb am 17. Mai 2025 im Alter von 89 Jahren.

Christiane Hörbiger, geboren 1938, wurde einem breiten Publikum insbesondere durch Film und Fernsehen bekannt. Produktionen wie „Das Erbe der Guldenburgs“ und „Julia – Eine ungewöhnliche Frau“ machten sie weit über Österreich hinaus populär. Sie starb 2022.

Maresa Hörbiger, geboren 1945, entschied sich ebenfalls für die Schauspielerei und war viele Jahre mit dem Burgtheater verbunden.

Auch Attilas Bruder Paul Hörbiger war ein bedeutender Schauspieler. Über mehrere Generationen entwickelte sich deshalb eine außergewöhnlich stark mit Bühne, Film und Fernsehen verbundene Künstlerfamilie. Zu ihr gehört beispielsweise auch Attila Hörbigers Enkel Cornelius Obonya.

Der Begriff „Hörbiger-Dynastie“ ist daher mehr als eine journalistische Bezeichnung: Mehrere Generationen der Familie spielten wichtige Rollen in der österreichischen Theater- und Mediengeschichte.

Attila Hörbiger in der NS-Zeit: Was ist historisch belegt?

Eine seriöse Biografie Attila Hörbigers darf seine Tätigkeit während der NS-Zeit nicht auslassen.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde Hörbiger Mitglied der NSDAP. Die dokumentierte Mitgliedsnummer lautet 6.295.909. Seine Aufnahme wurde auf den 1. Mai 1938 datiert.

Besonders relevant ist seine Beteiligung am 1941 veröffentlichten Film „Heimkehr“ unter der Regie von Gustav Ucicky. Auch Paula Wessely gehörte zur Besetzung. „Heimkehr“ war kein unpolitischer Unterhaltungsfilm, sondern ein nationalsozialistischer Propagandafilm, dessen Darstellung der polnischen Bevölkerung und dessen politische Botschaft der Rechtfertigung nationalsozialistischer Politik dienten.

Hörbigers Beteiligung daran gehört deshalb zur historischen Bewertung seiner Karriere und sollte nicht hinter seinen späteren Theatererfolgen verschwinden.

Gleichzeitig ist es sinnvoll, zwischen dokumentierten Tatsachen und späteren Interpretationen seiner persönlichen Haltung zu unterscheiden. Sicher belegt sind seine NSDAP-Mitgliedschaft und seine Mitwirkung an „Heimkehr“. Weitergehende Aussagen über persönliche Motive sollten nur dort gemacht werden, wo belastbare historische Quellen sie tragen.

Diese Vergangenheit blieb auch in späteren Jahrzehnten Gegenstand kultureller Auseinandersetzungen. Besonders bekannt wurde Elfriede Jelineks Stück „Burgtheater“, das unter anderem den Umgang mit der NS-Vergangenheit im Umfeld von Paula Wessely und Attila Hörbiger kritisch thematisiert.

Späte Bühnenjahre, Tod und Bedeutung

Auch im hohen Alter blieb Attila Hörbiger als Schauspieler aktiv. 1974 übernahm er am Burgtheater die Titelrolle in Lessings „Nathan der Weise“. Seine jüngste Tochter Maresa Hörbiger spielte in dieser Produktion Recha – ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie eng Familien- und Theatergeschichte bei den Hörbigers miteinander verbunden waren.

Seinen letzten Bühnenauftritt hatte Hörbiger 1985 als Winter in Ferdinand Raimunds „Der Diamant des Geisterkönigs“. Damit endete eine Schauspielkarriere, die mehr als sechs Jahrzehnte umfasst hatte.

Für seine Arbeit erhielt Hörbiger zahlreiche Auszeichnungen. Dazu gehörten die Kainz-Medaille, der Ehrenring der Stadt Wien, der Grillparzer-Ring, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, der Nestroy-Ring und 1985 der Raimund-Ring. 1971 wurde er zudem Ehrenmitglied des Burgtheaters.

Attila Hörbiger starb am 27. April 1987 in Wien im Alter von 91 Jahren. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Grinzinger Friedhof in Wien. Sie gehört zu den ehrenhalber gewidmeten beziehungsweise historischen Grabstellen der Stadt.

Seine Bedeutung lässt sich heute nicht allein an seiner Popularität messen. Hörbiger steht einerseits für eine wichtige Epoche des österreichischen Schauspieltheaters, für Max Reinhardts Josefstadt, die Salzburger „Jedermann“-Tradition und das Burgtheater. Andererseits gehört zu seinem historischen Bild auch seine Verstrickung in den Kulturbetrieb des Nationalsozialismus. Beide Seiten sind notwendig, wenn seine Biografie vollständig dargestellt werden soll.

Häufige Fragen zu Attila Hörbiger

Wer war Attila Hörbiger?
Attila Hörbiger war ein österreichischer Theater- und Filmschauspieler. Besonders bekannt wurde er durch das Wiener Burgtheater und als Jedermann bei den Salzburger Festspielen.

Wann wurde Attila Hörbiger geboren?
Er wurde am 21. April 1896 in Budapest geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte.

Wann ist Attila Hörbiger gestorben?
Attila Hörbiger starb am 27. April 1987 in Wien. Er war 91 Jahre alt.

Wer war die Frau von Attila Hörbiger?
Seit 1935 war Attila Hörbiger mit der österreichischen Schauspielerin Paula Wessely verheiratet. Die Ehe bestand bis zu seinem Tod 1987.

Wie viele Kinder hatten Attila Hörbiger und Paula Wessely?
Das Paar hatte drei Töchter: Elisabeth Orth, Christiane Hörbiger und Maresa Hörbiger. Alle drei wurden Schauspielerinnen.

War Paul Hörbiger der Bruder von Attila Hörbiger?
Ja. Paul Hörbiger war Attilas älterer Bruder und ebenfalls ein sehr bekannter österreichischer Schauspieler.

War Attila Hörbiger Mitglied der NSDAP?
Ja. Seine Mitgliedschaft ist historisch dokumentiert. Er gehörte außerdem zur Besetzung des nationalsozialistischen Propagandafilms „Heimkehr“ von 1941.

Attila Hörbiger bleibt damit eine bedeutende, aber historisch nicht eindimensionale Figur des österreichischen Theaters. Wer sich mit seiner Karriere beschäftigt, begegnet zugleich der Geschichte des Burgtheaters, den Salzburger Festspielen, der Schauspielerfamilie Hörbiger und den schwierigen Verbindungen zwischen Kultur und Politik im 20. Jahrhundert.

Quellen für die Recherche

Für die biografischen Eckdaten, Theaterlaufbahn, Filmografie, Familienbeziehungen, Auszeichnungen sowie die historische Einordnung wurden unter anderem das Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek Attila Hörbiger – Österreichische Nationalbibliothek, filmportal.de Attila Hörbiger – filmportal.de, das Wien Geschichte Wiki Attila Hörbiger – Wien Geschichte Wiki, Informationen zur „Jedermann“-Tradition der Salzburger Festspiele Die Jedermänner der Salzburger Festspiele, das Burgtheater zur Familie und Elisabeth Orth Burgtheater – Elisabeth Orth sowie die Friedhöfe Wien für Hörbigers Grabstätte herangezogen.

By David Lange
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David Lange ist ein österreichischer Autor bei austriainsider.at, wo er mit klarem Blick über Politik, Wirtschaft und gesellschaftliche Themen aus Österreich berichtet. Sein sachlicher, gut recherchierter Schreibstil vermittelt seinen Leserinnen und Lesern verlässliche Einblicke in das aktuelle Zeitgeschehen.
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